Artenvielfalt gemeinsam fördern in Doislau

Mit vereinten Kräften für den Erhalt seltener Lebensräume: Pflegeeinsätze sichern wertvolle Heißländen.

© Wiese mit bunten Blumen
Ein besonderer Standort zieht besondere Arten an.
  • Zusammenfassung: Einsatz mit Freiwilligen auf einer rund 6.000 m² großen Mager­rasen­fläche im Europa­schutz­gebiet Niederösterreichische Alpen­vorland­flüsse für Pflege und Offenhaltung der wertvollen Heißländen begleitet durch Schutz­gebiets­koordination der eNu
  • Ziel: Sonder­standort erhalten, Vorkommen von geschützten Pflanzen sichern, Neophyten eindämmen, Bevölk­erung informieren
  • Ort: Wiese zwischen den Gemeinden Ferschnitz und St. Georgen am Ybbsfelde
  • Planung des Einsatzes: von Idee zur Umsetzung ca. 1 Monat, konkrete Bearbeitung ca. 2 Wochen wenn gute Voraussetzungen gegeben sind (in den meisten Fällen ist mit mehr Vorbereitungs­zeit zu planen)
  • Einsatz vor Ort: 5 Stunden
  • Anzahl der Beteiligten: 14 Freiwillige, 1 Biologin, 2 Personen für das Abfuhrmanagement
  • Kosten: fachliche Begleitung (ca. 1.000 Euro), Verpflegung der Freiwilligen, gegebenenfalls Entsorgung.
  • Finanzierung: über die Koordinationsstelle Schutzgebietsbetreuung der eNu (Mitteln des Landes Niederösterreich und der Europäischen Union)

Heißländen entstehen auf Schotter­ablagerungen entlang von Flüssen, die nur von einer dünnen Erd­schicht bedeckt und durch Gehölze vor Wind geschützt sind. Dadurch entwickeln sich besonders trockene Standorte, die seltenen Pflanzen­arten sowie gefährdeten Wild­bienen- und Schmetterlings­arten Lebens­raum bieten. Dass sich hier seltene Orchideen angesiedelt haben, ist ein Zeichen für den Erfolg der Maßnahme.

Frühzeitig handeln statt später sanieren

2023 wurde im Rahmen der Schutzgebietsbetreuung NÖ eine Heißlände-Zukunfts­fläche im Brunnen­schutzgebiet der Gemeinden Fer­schnitz und St. Georgen am Ybbs­felde angelegt. Die inzwischen etablierte Fläche bietet bereits Lebens­raum für zahlreiche Orchideen, wurde jedoch auch von Gold­rute und Einjährigem Berufkraut besiedelt. Um eine weitere Ausbreitung dieser invasiven Neophyten zu verhindern, fand 2026 erstmals ein gezielter Pflegeeinsatz statt.

Im vorliegenden Beispiel wurde der Pflegeeinsatz von einer selbstorganisierten Gruppe engagierter Freiwilliger getragen, die von Beginn an aktiv den Austausch mit Expertinnen und Experten suchte und regelmäßig von weiteren Helferinnen und Helfern unterstützt wurde.

Fachlich begleitet, langfristig wirksam

Der Einsatz erfolgte frühzeitig und unter fachlicher Anleitung der Biologin Heidemarie Moser-Sturm. Dadurch konnten die Neophyten entfernt werden, bevor sich großflächige Bestände entwickeln. Regelmäßige Kontrollen und Pflegeeinsätze bleiben in den kommenden Jahren notwendig. Zu Beginn ist eine ökologische Begleitung sinnvoll, langfristig können solche Einsätze bei ausreichender Erfahrung auch von engagierten Freiwilligen selbstständig durchgeführt werden.

© gelb-weiß blühlende Pflanze im Fokus
Wenn das einjährige Berufkraut invasiv auftritt kann es Pflanzengesellschaften nachhaltig verändern.

Besondere Lebensräume benötigen besondere Betreuung

Bei Pflege­einsätzen in Schutz­gebieten geht es nicht nur darum, Neophyten zu entfernen, sondern gleichzeitig seltene Arten und wertvolle Lebensräume zu schützen. Fachkundige Begleitung hilft dabei, den richtigen Zeitpunkt zu wählen, Schäden an wertvollen Arten zu vermeiden und die Maßnahmen fachlich korrekt umzusetzen. Insbesondere beim ersten Einsatz empfiehlt es sich, ausreichend Zeit und Budget für eine fachliche Einführung vorzusehen.

Im Brunnenschutzgebiet zeigte die Expertin den Pflegebedarf auf und leitete die Freiwilligen beim Entfernen der Neophyten an. Besonderes Augenmerk galt dabei dem Schutz der bereits vorkommenden Orchideen. Die Teilnehmenden erhielten zudem praktische Kenntnisse zur Erkennung, Eindämmung und fachgerechten Entsorgung invasiver Neophyten.

Neophyten-Bekämpfung organisieren

Die folgenden Empfehlungen haben sich für die Planung und Durchführung von Neophyten-Pflegeeinsätzen bewährt:

  • Zeitpunkt festlegen: Entfernung der Neophyten jedenfalls vor der Samenbildung, abhängig von Art und Befallsgrad auch mehmals im Jahr
  • Freiwillige gewinnen: Engagierte Bürgerinnen und Bürger ansprechen und den Einsatz über Gemeindemedien, Schulen, Aushänge oder Social Media bewerben
  • Fachliche Begleitung sicherstellen: Insbesondere bei den ersten Einsätzen durch Biologinnen oder Biologen bzw. Naturschutzfachleute
  • Einsatz vorbereiten: Informationen für Teilnehmende bereitstellen und benötigte Ausrüstung wie Handschuhe, Werkzeuge oder Anhänger organisieren
  • Pflegeeinsatz durchführen: Kurze Einschulung vor Ort, anschließende Entfernung der Neophyten unter fachlicher Anleitung
  • Fachgerechte Entsorgung organisieren: Damit keine Samen oder Pflanzenteile weiterverbreitet werden
  • Freiwillige wertschätzen: Gemeinsamer Ausklang, beispielsweise mit einer gemeinsamen Jause, Gruppenfoto machen
  • Erfolge sichtbar machen: Dokumentation und Berichterstattung über lokale Medien oder Gemeindekanäle

Das Bewusstsein für die Problematik invasiver Neophyten wächst. Sie verdrängen heimische Arten, bilden artenarme Reinbestände und verändern Lebensräume tiefgreifend. Mit den zunehmenden ökologischen und wirtschaftlichen Schäden steigt auch die Bereitschaft, Maßnahmen zu ihrer Eindämmung umzusetzen.

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