Wolkersdorfer Betriebsgebiet mit Vorbildwirkung

Der ecoplus Wirtschaftspark Wolkersdorf zeigt, wie naturbasierte Lösungen in Betriebsgebieten erfolgreich umgesetzt werden.

© Aufnahme mit Drohne, im Vordergrund Gebäude des Gewerbegebietes, im Hintergrund Felder und Windenergieanlage.
Die windreiche Lage ermöglicht Windenergie, und erfordert Windschutzgürtel.
  • Zusammenfassung: 91 ha großer Wirtschaftspark setzt auf Klima­wandel­anpassung mit Windschutzgürteln, Grünräumen, Biodiversitätskorridoren, Rückhaltebecken sowie Dach- und Fassadenbegrünungen, sowie auf Klimaschutz durch Fernwärme, Photovoltaik und energieeffiziente Gebäude.
  • Ziele: Wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort, naturbasierte Klimaanpassung als Vorsorge gegen Hitze, Starkregen und Stürme
  • Ort: Resselstraße 16, 2120 Wolkersdorf
  • Projektlaufzeit: Gründung Ende der 1970er-Jahre, seitdem laufender Ausbau und Modernisierung
  • Finanzierung: Eigenmittel und Mittel des Landes Nieder­österreich, betrieben durch ecoplus. Niederösterreichs Wirtschaftsagentur GmbH
  • Beteiligte: Stadtgemeinde Wolkersdorf; BH Mistelbach; ZT Büro ÖSTAP; ZT Büro Kernstock; ZT Büro Ferro&Partner; ZT Büro Nowy&Zorn; ZT Büro Beitl
  • Wichtigste Maßnahmen: Eine bestehende Windschutz­hecken wurde weiterhin gepflegt und erhalten und damit sogar auf Baufläche verzichtet, Errichtung Hoch­wasser­schutz durch naturnahes Rückhalte­becken, Pflanz­ung von weiteren Hecken und Einzelbäumen.

Nachhaltige Standortentwicklung im ecoplus Wirtschaftspark Wolkersdorf

Der ecoplus Wirtschaftspark Wolkersdorf gilt in Niederösterreich als Pilot­standort für klimafitte Betriebs­gebiete. Auf dem 91 Hektar großen Areal sind 117 Unter­nehmen mit rund 2.908 Arbeits­plätzen angesiedelt. Der Wirtschafts­park wurde Ende der 1970er-Jahre gegründet und wird seither laufend aus­ge­baut und modernisiert.

Seit rund 15 Jahren werden im Wirtschafts­park verschiedene Maß­nahmen zur Klima­­­wandel­­­anpassung und zum Klima­schutz umgesetzt. Dabei werden wirtschaft­liche Ent­wicklung mit natur­basierten Lösungen und einer nach­haltigen Standort­ent­wicklung verbunden.

Standortschutz mit Hecken, Rückhaltebecken und Begrünung

Hecken und Wind­schutz­gürtel, Baum­reihen, Grün­flächen und Bio­diversitäts­­korridore, naturnahe Rück­halte­­becken als Kaskaden­systeme sowie begrünte Dächer und Fassaden bei neueren Gebäuden zählen zu den natur­basierten Maßnahmen, die bereits umgesetzt wurden. Ergänzt werden diese durch Fern­wärme aus Bio­­masse, Photo­­voltaik und Gebäude nach klima:aktiv Gold-Standard. Für Biomasse und Photo­voltaik bestehen weitere Ausbau­konzepte.

Der Erhalt bestehender Windschutz­hecken als Bio­diversitäts­­flächen war von Beginn an Teil der Standort­­entwicklung. Dafür wurde bewusst auf Bau­fläche verzichtet. Gemeinsam mit der Natur­­schutz­­behörde wurde ein Maß­nahmen­­plan zum Erhalt des Ziesel-Lebensraums erarbeitet. Wind­schutz­­gürtel und Hoch­wasser­­schutz­­maßnahmen wurden so gestaltet, dass sie gleichzeitig die Bio­diversität fördern.

Durchdachte Mobilität und Erreichbarkeit

Auch nachhaltige Mobilität ist Teil des Standort­konzepts, vor allem in Hinblick auf den Pendler­verkehr. Der Wirtschafts­park verfügt über eine Schnell­bahnstation in der Nähe und einen Auto­­bahn­­an­schluss sowie ein elektrisches Mobilitäts­konzept mit E-Shuttle für die letzte Meile und zahl­reichen E-Lade­stationen. Das Betriebs­gebiet ist damit gut erreichbar bei gleichzeitig möglichst geringem Boden­verbrauch.

Mobilität bzw. der Erreichbarkeit von Betriebsgebieten eine zentrale Bedeutung zu, da der Pendlerverkehr, also der Weg von und zum Betrieb ein wesentlicher Teil der Mobilität ist. Das Betriebsgebiete in Wolkersdorf ist mit Schnellbahn und Autobahnanschluss ausgestattet.

Aus Erfahrungen lernen, Lösungen weiterentwickeln

Die Hochwasserschutzmaßnahmen mit naturnahen Rückhalte­­becken wurden nach dem Hoch­­wasser 2008 in den Jahren 2011 und 2012 umgesetzt. Aktuell werden im Horizon-Europe-Projekt ARCADIA eine Klima­­risiko­­analyse und weitere natur­basierte Lösungen zur Klima­­anpassung entwickelt. Im Rahmen des Projekts entstand auch der Leit­faden „Klima­fitte Bebauungs­vorschriften für NÖ Gemeinden“. Er unterstützt nieder­österreichische Gemeinden dabei, natur­basierte Lösungen frühzeitig in Bebauungs­plänen und Bebauungsvorschriften zu verankern, auch für die Ent­wick­lung von Betriebs­gebieten.

Im Interreg-Projekt Plants4Cooling wird von 2026 bis 2027 die Kühl­ungs­­wirkung von Begrünungs­­maßnahmen gemessen. Voraus­­setzung für den lang­­fristigen Erfolg ist die Zusammen­­arbeit von Unter­­nehmen, Beschäftigten, Park­­betreibenden und Gemeinden.

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