Retzer Land bremst Austrocknung

Natürliche Landschaftselemente fördern den Wasserrückhalt im Retzer Land, erhöhen die Bodenfruchtbarkeit und wirken Trockenheit und Erosion entgegen.

© trockene Landschaft, Wasserfläche in der Mitte, darüber Stromleitungen, einzelner Baum, blauer Himmel
Rückhalt und lokale Versickerung von Oberflächenwasser in der Geländemulde ‚Rafinger See“.
  • Zusammenfassung: Über das Projekt „WIWA“ setzen Gemeinden miteinander abgestimmt naturnahe Maß­nahmen gegen Trockenheit um. Retentionsflächen, Hohlweg-Revitalisierung, Feucht­biotope, Sickermulden und Wind­schutz­hecken fördern Wasser­rückhalt, Boden­fruchtbar­keit und Mikro­klima.
  • Ziel: Verbesserung von Wasserhaushalt und Windschutz in einer der trockensten Regionen Nieder­österreichs unter Ein­bindung von Gemeinden und Bevölkerung, gesteuert durch die KLAR! Retzer Land.
  • Projektlaufzeit: laufend seit 2022
  • Dauer verschiedener Umsetzungen: von Standortidentifikation über Planung bis zu Durchführung ca. 6 Monate
  • Gesamtkosten: ca. € 90.000,- für 15 Kleinprojekte
  • Kosten je Maßnahme: € 1.500,- bis € 10.000,-
  • Förderungen: KLAR! Invest vom Klimafonds
  • Kooperationspartner: Agrarbezirksbehörde NÖ (ABB NÖ)
  • Beteiligte Gemeinden: Sechs Gemeinden der KLAR! Retzer Land: Retz, Retzbach, Zellerndorf, Pulkau, Schrattenthal, Hardegg
  • Weitere Beteiligte: Baufirmen, technisches Planungsbüro
  • Auszeichnungen: CliA – Österreichischer Staatspreis für Klimawandelanpassung (1. Platz in Kategorie „Hitze/Trockenheit“)

Das Retzer Land zählt mit etwa 470 mm Niederschlag pro Jahr zu den trockensten Gebieten Österreichs. Wind­bedingte Erosion und zunehmende Aus­trocknung belasten die Böden, das wir durch den Klima­wandel weiter verstärkt.

Im Projekt „WIWA Retzer Land“ werden Maßnahmen für besseren Wind­­schutz umgesetzt, regionale Wasser­­kreis­­läufe gestärkt und damit die Wider­­stands­­fähigkeit gegen­über Hitze, Trocken­heit und Stark­regen erhöht. In sechs Gemeinden der KLAR! Retzer Land (Retz, Retzbach, Zellerndorf, Pulkau, Schrattenthal, Hardegg) ent­standen seit 2022 bereits 15 Projekte in Zusammen­arbeit mit Expertinnen und Experten sowie Bürgerinnen und Bürgern, viele weitere sind geplant.

Die verschiedenen kleinräumigen Maßnahmen – Feuchtbiotope, Rückhalte­flächen, Wind­schutz­gürtel, Mehr­nutzungs­hecken, Sicker­mulden oder Begrünungen – helfen, den Wasser­haushalt und das Mikro­klima in der Region zu verbessern.

Klimaanpassung durch Wasserrückhalt: Rückhaltebecken saniert

Bestehende Rückhaltebecken in Groß Reipersdorf (Gemeinde Pulkau) und Waitzen­dorf (Gemeinde Schratten­thal) wurden wieder instandgesetzt und funktional verbessert. In Groß Reipersdorf wurde die Einlauf­situation optimiert, indem Zuläufe und Gelände angepasst wurden, sowie heimische Gehölze zur Beschattung gepflanzt. In Waitzen­dorf erfolgten die Sanier­ung und Aufwertung des Beckens sowie die Räumung von Zu­läufen und Gräben zur besseren Wasser­führung unter Erhalt bestehender Bäume. Die Maßnahmen stärken den Wasserrückhalt und tragen zur Anpassung an Trockenperioden bei.

Wasserrückhalt statt Abfluss

In Obernalb (Gemeinde Retz) wurde die Führung von Hangwasser neu gelöst. Durch die An­passung des Geländes fließt Regenwasser nicht mehr entlang eines Güterwegs ab, sondern wird gezielt in einen Hohl­weg geleitet, der als natürlicher Rückhalte- und Versickerungsraum dient.

Ergänzend dazu wurden in einem Siedlungsgebiet in Ober­markers­dorf (Schratten­thal) Sicker­mulden errichtet um Niederschlagswasser vor Ort aufzu­nehmen, anstatt es in den Kanal zu leiten. So bleibt Wasser länger in der Fläche, die Infrastruktur wird entlastet und die Widerstands­fähigkeit gegenüber Stark­regen und Trockenheit erhöht.

Vom Konzept zur Umsetzung im Retzer Land

Zu Projektbeginn im Retzer Land wurden ein Maßnahmenkatalog zur Verbesserung des Wasser­­haushalts sowie ein Windschutzleitfaden entwickelt. Darauf aufbauend wurde in jeder Gemeinde ein Pilot­projekt aus­gewählt und umgesetzt. Mit den Erfahrungen aus erfolgreichen Vorzeigeprojekten ausgestattet fanden von Mai bis November 2022 im Retzer Land partizipative Workshops statt, in denen Bürgerinnen und Bürger weitere Ideen und mögliche Standorte für Wasser­rückhalteprojekte und Feuchtwiesen etc. einbrachten. Insgesamt wurden 22 Katastral­gemeinden analysiert, über 200 Ideen wurden gesammelt.

Die NÖ Agrar­bezirks­behörde prüfte und digitalisierte die Ideen und bewertete sie hin­sicht­lich Um­­setz­­barkeit sowie Wirk­samkeit. In Ab­stimmung mit den Bürger­meistern, Orts­­vorsteher­­innen und Orts­­vor­stehern sowie Expert­innen und Experten erfolgt die Aus­wahl und Umsetz­ung weiterer geeigneter Projekte, wie zuletzt 2026.

„WIWA Retzer Land“ zeigt skalierbare und wirt­schaft­lich mach­bare Lösungen für die Klima­­anpassung, die lokale Risiken durch lokale Lösungen senken und gleich­zeitig Umwelt und Gemein­schaft stärken.

Best-Practice