Beschattung & Begrünung

In dicht verbauten Gebieten kann mit grünen (naturnahen) und grauen (baulichen) Maßnahmen gegen die Sommerhitze vorgegangen werden. Begrünung ist eine rasche und kostengünstig umzusetzende Maßnahme mit effektiver Wirkung.

© Balkon mit Markise und Blumen
Außenbeschattung ist eine wichtige Maßnahme zum Hitzeschutz der Innenräume.

Die Klimaveränderung bringt in Niederösterreich eine Zunahme an Hitze­tagen mit sich. In verbautem Gebiet ist man durch die Wärme­abstrahlung der Bebauung besonders stark belastet. Grün­flächen und Frei­räume tragen dazu bei die Auf­enthalts­qualität im Freien zu erhöhen.

Pflanzen kühlen durch ihre Verdunstungsleistung und den gespendeten Schatten den Siedlungs­raum. Begrünte Flächen sind 8 bis 19 °C kühler als „nackte“ Mauern. Das Pilotprojekt „Grüne Fassade“ auf der Zentrale der MA 48 zeigte, dass eine 850 m² große Fassaden­begrünung im Sommer eine äquivalente Kühl­leistung von etwa 45 Klima­geräten mit je 3.000 Watt Leistung und 8 Stunden Betriebs­dauer hat.

© Begrünungen und Bäume senken Umgebungs- und Oberflächentemperatur um 8°C bis sogar 19°C. Das wirkt bei einer 20 m hohen Fassade wie 10 Klimaanlagen.
Für die Kühlung von Gebäuden und ihrer Umgebung sind außenliegende Maßnahmen wie Verschattung und Begrünung am besten geeignet.

Heruasforderungen für Pflanzen im urbanen Raum

Pflanzen brauchen bestimmte Bedingungen um gut anzuwachsen. Damit sie Abkühlung und Schutz vor Sonne und Hitze verschaffen, müssen sie eine gewisse Größe erreichen. Großkronige Bäume und Baum­alleen dienen als effektive Klima­anlagen für Straßen und Plätze. Ein aus­gewachsener Baum kann täglich bis zu 500 Liter Wasser ver­dunsten, was zur Kühl­ung der Umgebung maßgeblich beiträgt. Große Bäume erhöhen gleichzeitig die Aufenthaltsqualität und die Biodiversität.

© Vergleich von einem alten Baum und vielen jungen Bäumen
Der Erhalt von großen Bäumen zahlt sich aus.

Erst ab einem gewissen Alter und mit einem entsprechend großem Blätter­dach geht von den Bäumen eine wirksame Kühlung aus. Die meisten Straßen­bäume leiden unter begrenztem Wurzelraum, Verschmutzung, Hitze und mechanischen Schäden: zu wenig Platz im Wurzelraum führt zu einer eingeschränkten Luft-, Wasser- und Nährstoff­aufnahme. Gleichzeitig sorgen Schadstoffe aus dem Verkehr und hohe Temperaturen in versiegelten Gebieten für Stress bei den Straßenbäume. Abhilfe verschafft unter anderem das Schwammstadt-Prinzip.

© Niederschlag kann vor Ort gespeichert werden, die Pflanzen können das Wasser nach und nach aufnehmen.
Wenn der Niederschlag vor Ort gespeichert werden kann, bringt das viele Vorteile.

Wiesen und Stauden für Kühlung und Artenvielfalt

Extensiv gepflegte Kräuter- und Blumen­wiesen schaffen eine bunte Arten­­vielfalt und bieten Insekten wie Bienen und Co. Nahrung und Lebens­raum. Das Anlegen einer Blumen­wiese erfolgt ähnlich wie das von Rasen. Der große Vorteil ist, dass sie nur zweimal im Jahr gemäht werden müssen, das reduziert den Pflege­aufwand enorm. Bei großer Hitze und Trockenheit sehen diese Flächen lange gut aus, und erhitzen sich nicht so stark wie kurz gemähter Rasen.

Werden Blumenwiesen auf öffentlichen Flächen wie beispielsweise entlang von Straßen oder in Parks angelegt, ist es empfehlens­wert auf die ökologischen Vorteile für Nützlinge mit Schildern oder Info­tafeln hinzuweisen. Manche Gemeinden mähen auch einen schmalen „Kümmer­streifen“ rund um die Wiese, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen. Natur im Garten bietet dafür eine Beratung an.

Staudenbeete leisten einen wertvollen Beitrag zu Bio­diversität und bieten zu jeder Jahreszeit etwas fürs Auge. Sobald die Beete ange­wachsen sind und sich die Stauden gut entwickelt haben, reduziert sich der Pflege­aufwand im Vergleich zu einem Rasen deutlich. Bei Stark­regen können sie zudem viel Wasser aufnehmen.

Vorteile und Möglichkeiten der Begrünung

Man unterscheidet verschiedene Arten von Fassaden­begrünungen:

  • Bodengebundene wachsen direkt aus dem Erdboden.
  • Fassadengebundene Kletterpflanzen sowie Stauden, Gräser und Kräuter können in begrünten Wänden in angebrachten Trögen ohne Bodenkontakt verwendet werden.

Ob selbstrankende Fassadenkletterer wie Efeu und Wilder Wein, oder Arten, die an Seilen oder Rankgerüsten entlang klimmen – die richtige Auswahl ist abhängig von den örtlichen Gegebenheiten. Unsere Kooperationspartner „Natur im Garten“ hat mit Grünstattgrau einen Kletterpflanzen-Navigator erstellt.

Belaubte Fassaden und Dächer senken die Umgebungstemperatur durch die Verdunstungs­leistung der Pflanzen. Bau­werks­begrünungen mit großen Blatt­flächen erhöhen zudem die Luft­feuchtigkeit, produzieren Sauer­stoff, binden Kohlen­dioxid und Fein­staub und schlucken Lärm. Im Sommer schützt das Laub vor Über­hitzung – das reduziert die Betriebs­kosten für die Kühlung.

Begrünungen haben viele zusätzliche Vorteile: sie nehmen Wasser direkt vor Ort auf und ent­lasten damit kommunale Kanal­­systeme. Eine Dach­begrünung kann bis zu 90% des Nieder­schlages aufnehmen. Lärm wird gedämpft und Staub gebunden. Zudem sind sie ein natürlicher Hagel­schutz.

© Infografik zur Dachbegrünung: Häuser und Regenwolke und Badewanne.
Pflanzen am Dach kühlen die Umgebung ab und speichern Wasser lokal.

Empfehlungen gegen Hitze im Ortszentrum

  • Grünflächen und Frischluftschneisen in der Flächenwidmung einplanen. Förderungen für Begrünungen bereitstellen.
  • Bei der Um- und Neugestaltung innerörtlicher Bereiche Beschattungs- und Versickerungsbereiche mitdenken.
  • Beratung zur Umgestaltung und Neugestaltung öffentlicher Plätze durch „Natur im Garten“ in Anspruch nehmen.
  • Unterstützen und fördern Sie die Begrünung von Dachflächen und Fassaden Ihrer Bürgerinnen und Bürger.
  • Pflanzen Sie trockenresistente und wärmeliebende Bäume und Hecken.
© Infografik: Darstellung von Häusern und Hochhäusern mit Bäumen und Begrünung, auf linker Seite ohne Schatten und Begrünung, auf der rechten Seite mit Begrünung und hohen Bäumen, die die Temperaturen deutlich reduzieren.
Der Vergleich zeigt: Begrünung und Bäume schaffen Abhilfe an heißen Tagen.

Lenkungsinstrumente für mehr Bauwerksbegrünungen

Es stehen verschiedene Lenkungsinstrumente zur Förderung begrünter Gebäude in Österreich zur Ver­fügung. Landes­gesetze sind die rechtliche Grundlage für überörtliche und örtliche Raumordnung sowie Raumplanung. Die neun Bauordnungen des Landes sind das zentrale überörtliche Planungs­instrument.

Wenige Gemeinden nutzen die Möglichkeit Fassaden- und Dachbegrünungen in der Bauordnung vorzuschreiben. Nach dem Bundesverfassungsgesetz fällt die Vollziehung der örtlichen Raumplanung in den eigenen Wirkungs­bereich der Gemeinden. Die Vorgaben werden auf Ebene der Bebauungspläne durch Verordnungen festgelegt.

Förderungen für begrünte Gebäude werden auf Bundes-, Länder- und Gemeinde­ebene in Form von Zuschüssen gewährt. Grünstattgrau führt alle aktuellen Förderungen für Bauwerksbegrünung auf der Webseite auf. Einige Gemeinden schreiben Dachbegrünungen im Flächenwidmungs- und Bebauungsplan vor. Zusätzlich kann die Vorgabe bestehen, Flächen zu begrünen und mit PV-Anlagen auszustatten.

© Maßnahmen werden aufgezeigt die wirksam sind gegen lokale Überschwemmungen und Hitze.
Entsiegelung, das lokale Speichern von Wasser und Begrünungen sind wirksam gegen Hitze.