Gebäude hitzefest machen
An heißen Sommertagen kann das Leben in Häusern und Wohnungen zur Herausforderung werden. Mit diesen Strategien lässt sich die Hitze effektiv fernhalten ohne weitere Energie zu verbrauchen.
Hohe Außentemperaturen beeinträchtigen unseren Komfort und bergen Gesundheitsrisiken. Klimaanlagen brauchen jedoch viel Energie können hohe Kosten verursachen, um die Raumtemperatur angenehm zu halten.
In diesem Video erklärt Tino Blondiau, Bereichleiter der Abteilung Klima der eNu, welche Maßnahmen effektiv gegen Hitze in Innenräumen wirken, und wie Klimageräte effizient verwendet werden:
Verhalten anpassen um Hitze zu reduzieren
- Nachts und in den frühen Morgenstunden lüften
Während der heißesten Stunden des Tages sollten die Fenster geschlossen bleiben. Ist die Luft sehr abgestanden, sollte man höchstens Stoßlüften, denn sonst gelangt zu viel warme Luft in die Innenräume. Es gilt in den kühleren Nacht- und frühen Morgenstunden zu lüften. Empfohlen wird die Querlüftung: damit die kühlere Außenluft den Innenraum durchströmt und die Wärme abführt, sollten gegenüberliegende Fenster und Türen geöffnet werden. - Reduzieren von innenliegenden Hitzequellen (Energieverbraucher)
Elektrische Geräte wie Computer und Fernseher erzeugen Wärme, die zur Erhöhung der Raumtemperatur beiträgt. Daher sollte man diese Geräte weniger oft verwenden. Energiesparende Beleuchtungsoptionen und effiziente Geräte helfen die Hitzeabgabe zu minimieren und den Energieverbrauch zu senken. Vor allem die Verwendung von Herd und Backrohr sollte an heißen Tagen vermieden werden.
Anpassungen von Außen als Hitzeschutz
- Außenliegende Beschattung der Fenster anbringen
Außenjalousien, Rollläden und Sonnensegel vermeiden nicht nur das direkte Eindringen von Sonnenstrahlen, sondern, dass sich die Fensterscheiben stark erwärmen. So wird der Kühlbedarf verringert. Innenliegende Beschattung wie Vorhänge sind zwar kostengünstiger, aber nicht so effektiv: wenn sich die Fensterscheibe erwärmt, gelangt Hitze ins Innere. Außenliegender Sonnenschutz ist etwa dreimal wirksamer als innenliegende Beschattungselemente.
- Bäume als Schattenspender pflanzen
Bäume und hohe Sträucher in der Nähe von Fenstern schaffen natürlichen Schatten. Die Blätter reduzieren den Hitzeeintrag ins Gebäude und wirken als natürliche Luftkühler, da sie Wasser verdunsten. Dies trägt zur Abkühlung der Umgebung bei. Bäume und Grünflächen schaffen es nachweislich, die Temperatur an Hitzetagen um bis zu acht Grad zu senken. Eine Studie der ETH Zürich belegt, dass im städtischen Bereich Gebiete mit Bäumen im Durchschnitt um zehn Grad kühler sind als bebaute Flächen.
- Ausrichtung beim (Um)Bau mitdenken
Bei der Planung neuer Objekte sollten Ausrichtung von Gebäude und Fenster in Verbindung mit architektonischen Elementen mitgedacht werden, denn direkte Sonneneinstrahlung sollte in den Sommermonaten reduziert sein. Fenster mit geringer Wärmedurchlässigkeit begrenzen die Übertragung, was wiederum die Innenräume vor übermäßiger Aufheizung schützt. Die Möglichkeit der Querlüftung sollte unbedingt mitgeplant sein. Bestehende, Schatten spendende Bäume sollten bei Bauvorhaben geschützt und unbedingt erhalten werden. Auch die Fassadenfarbe spielt eine wichtige Rolle: Helle Fassaden reflektieren Sonnenlicht und erwärmen sich nicht so stark.
Begrünung und Dämmung helfen gegen Hitze und Kälte
Diese Maßnahmen tragen zur Hitzereduktion bei und bringen zudem langfristige Vorteile für den Energieverbrauch im Gebäude.
- Grüne Fassaden und Dächern
Begrünte Fassaden und Dächern sorgen ebenso wie Bäume für Schatten und ein angenehmeres Mikroklima. Kletter- und Schlingpflanzen sowie vertikale Gärten wirken wie eine Isolierungsschicht die Hitzeeinwirkung auf die Wände reduziert. Schatten spendende Bäume sollten unbedingt erhalten und bei Bauvorhaben geschützt werden. - Qualitativ hochwertige Dämmung
Eine effektive Dämmung spielt eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung eines angenehmen Raumklimas. Sie dient nicht nur als Wärmeschutz im Winter sondern auch als sommerlicher Hitzeschutz. Eine gute Dämmung hält die Wärme im Winter drinnen, im Sommer die Hitze draußen. Sie reduziert Temperaturschwankungen zwischen Innen und Außen, minimiert die Notwendigkeit für Klimageräte und ermöglicht eine stabile Raumtemperatur. Neben den Wänden sollte auch das Dach sorgfältig gedämmt sein, um den Hitzeeintrag über das Obergeschoss zu unterbinden.
Natürliche Hitzevermeidung ohne hohen Energieverbrauch
Hitzebelastung mindern, Energieverbrauch senken und Wohnkomfort steigern – all das schaffen Begrünung, Dämmung, sorgfältige Bauplanung und Ausführung. Vor allem die Kombination der Maßnahmen trägt dazu bei, das Raumklima zu optimieren. Die Energieberatung NÖ empfiehlt bei Neubau und Sanierung für ein „Klimafittes Haus“ auf die Auswahl der Baustoffe zu achten. Sie gibt zudem Tipps welche Maßnahmen schnell gegen Sommerliche Überwärmung helfen, vom richtigen Lüften bis zum richtigen Einsatz von Klimageräten.
Aktuelle Forschungsergebnisse zu passiven Kühlmaßnahmen
Um Klimaanlagen in Gebäuden auch für zukünftige Sommermonate möglichst zu vermeiden, wurden im Forschungsprojekt Cool*Buildings unterschiedliche passive Kühlmaßnahmen und deren Effektivität für Wohngebäude untersucht und bewertet.
Die Ergebnisse von Cool*Buildings (pdf, 2,2 MB) zeigen, dass mittels Kombination von nächtlicher Querlüftung und bedarfsgerechter automatisierter Außenbeschattung untertags die maximale passive Kühlung erreicht werden kann. Der Sonnenschutz reduziert den Wärmeeintrag im Laufe des Tages bestmöglich, auch bei Abwesenheit. Durch die Nachtlüftung wird überschüssige Wärme aus dem Gebäude wieder abgeführt. Die Kombination dieser Maßnahmen tragen dazu bei, dass Innenräume im Sommer möglichst lange behaglich bleiben und die Notwendigkeit von Klimaanlagen vermieden werden kann.