Klimafitter Ackerbau: Maßnahmen gegen Trockenheit und Erosion

Hitze und Trockenperioden stellen den Ackerbau vor neue Her­aus­for­der­ung­en. Maß­nahmen wie Dauer­begrünung, Humus­aufbau oder Direkt­einsaat helfen, Böden wider­stands­fähiger zu machen und Wasser besser zu speichern.

© Zwischenfrüchte sind aufgegangen mit Leguminosen im Ackerbau
Zwischenfrüchte stärken den Boden und tragen zur Dauerbegrünung bei.

Der Ackerbau ist besonders von längeren Trocken­perioden und häufigen Wetter­extremen betroffen. Ein voraus­schauendes Boden­management trägt dazu bei, die Aus­wirkungen von Hitze, Trocken­perioden und Stark­regen abzuschwächen. Entscheidend ist ein möglichst ganz­jährig bewachsener Boden: Er erhitzt sich weniger, fördert das Boden­leben, baut Humus auf und schützt vor Erosion.

Offene Böden verlieren durch Ver­dunst­ung wertvolles Wasser und sind Wind, Regen und Sonnen­ein­strahlung schutzlos ausgesetzt. In Öster­reich gehen jährlich durch­schnittlich 5,6 Tonnen frucht­barer Boden pro Hektar Acker­fläche durch Wasser- und Wind­erosion verloren.

Ganzjährige Bodenbedeckung schützt Boden und Wasser

Begrünungen, Mulchsaat und Direkt­saat zählen zu den wichtigsten Maß­nahmen einer klima­angepassten Land­wirtschaft. Ziel ist es, den Boden möglichst wenig zu stören und gleich­zeitig die Pflanzen­vielfalt sowie die Photo­syntheseleistung zu erhöhen.

Eine dauerhafte Bodenbedeckung schützt vor Sonnen­einstrahlung und starken Regen. Pflanzen­reste wie Stroh, Getreide­stoppeln oder Zwischen­früchte vermindern Erosion, reduzieren die Verdunstung und verbessern die Wasser­speicher­fähigkeit.

© Traktor fährt über grünes Feld, und setzt mit Maschine neue Saat direkt in Begrünung.
Durch die Direkteinsaat bleibt der Boden bedeckt.

Begrünungen wirken auch unter der Oberfläche

Die Wurzeln lockern den Boden auf und hinter­lassen nach ihrem Ab­sterben feine Kanäle. Da­durch kann Regen­wasser besser in tiefere Boden­schichten ein­sickern und gespeichert werden.

Für eine wirksame Begrünung ist eine viel­fältige Arten­mischung sinn­voll. Schnell wachsende Zwischen­früchte ergänzen Arten, die sich langsamer entwickeln, etwa Leguminosen.

Fruchtfolgen stärken den Boden

Eine durch­dachte Frucht­folge trägt zur Boden­frucht­barkeit bei. Sie kann den Bedarf an Dünger und Pflanzen­schutz­mitteln senken, Erträge stabilisieren sowie Krank­heiten und Schädlingen vorbeugen.

Ein aktives Bodenleben stärkt die Widerstandskraft

Ein gesundes Bodenleben verbessert die Bodenstruktur und erhöht die Fähigkeit, Wasser zu speichern. Reduzierte Bodenbearbeitung, Zwischenfrüchte und eine ganzjährige Bodenbedeckung fördern diese natürlichen Prozesse.

Pflanzen geben Kohlenstoff in Form von Zucker­verbindungen an den Boden ab. Diese dienen Boden­organismen als Nahrungs­quelle und tragen zur Boden­fruchtbarkeit bei. Mykorrhiza-Pilze unterstützen die Nähr­stoff- und Wasser­aufnahme der Pflanzen. Eine möglichst schonende Boden­bearbeitung erhält außer­dem die Gänge der Regen­würmer und ver­bessert so die Durch­lüftung sowie die Wasser­aufnahme des Bodens.

Mehrnutzenhecken schützen Boden und Artenvielfalt

Mehrnutzenhecken bereichern die Land­schaft und erfüllen mehrere Funktionen zugleich. Sie schützen den Boden vor Wind- und Wasser­erosion, verbessern das lokale Klima und bewahren angrenzende Felder vor Dürre. Gleichzeitig fördern sie Nützlinge und wichtige Bestäuber. Sie stärken die Bio­diversität, indem sie Tieren Nahrung und Rückzugsorte bieten. In der Region Wagram ist aus diesem Grund eine 2.000 Meter lange Hecke in Absdorf geschaffen worden, die mehrere Biotope verbindet.

Arbeitsplatz für Greifvögel schaffen

Bäume, hohe Sträucher und dauerhaft errichtete Sitzstangen bieten Greifvögeln wie Bussarden, Turmfalken und Habichten gute Jagdmöglichkeiten. Sie helfen dabei, Mäusebestände auf natürliche Weise zu regulieren und können so den Schädlingsdruck auf landwirtschaftlichen Flächen verringern.

Passende Kulturpflanzen für den Standort wählen

Mit steigenden Temperaturen gewinnen hitzetolerante Kulturarten wie Sojabohne und Mais an Bedeutung. Auch klimaresilientere Arten wie Hirse könnten künftig häufiger angebaut werden. Für wichtige Kulturarten wie Erdäpfel und Zuckerrüben entwickelt die Landwirtschaftskammer Österreich mit pflanzenbaulichen Versuchen klimaverträgliche Anbaustrategien.

Eine vielfältige Auswahl an Kulturen und Sorten verringert zudem das Risiko von Ernteausfällen.

Feuchtigkeit im Boden halten

Regenerative Bewirtschaftungsmaßnahmen helfen, das Produktionspotenzial zu erhalten. Eine wichtige Rolle spielen dabei Zwischenfrüchte, die rasch nach der Ernte eingesät werden. Sie bedecken den Boden, unterdrücken Unkraut und tragen dazu bei, Feuchtigkeit im Boden zu halten.

Auch eine ausgeglichene Nährstoffversorgung verbessert die Wassernutzung der Pflanzen und trägt dazu bei, die begrenzte Ressource Wasser möglichst effizient zu nutzen.

© Traktor mit Sämaschine auf grünem Feld, blauer Himmel
Direktsämaschinen säen direkt in die stehende Zwischenfrucht, und drücken sie zu Boden.

Weniger Bearbeitung, Dünger und Pflanzenschutz

Beim sogenannten Planting Green wird die Haupt­frucht ohne vorherige Boden­bearbeitung direkt in die noch wachsende Zwischen­frucht eingesät. Diese Form der Direkt­saat hilft, Feuchtig­keit im Boden zu speichern und den Unkraut­druck zu verringern.

Um Arbeitsaufwand, Bodenstörungen und CO₂-Emissionen zu reduzieren, setzen manche Betriebe auf die CULTAN-Düngung. „CULTAN“ steht für „Controlled Uptake Long Term Ammonium Nutrition“ und beschreibt eine kontrollierte Lang­zeit­versorgung der Pflanzen mit Ammonium­dünger. Selbst unter trockenen Beding­ungen kann die Depot­düngung die Ertragssicherheit verbessern.

© Traktor am Feld, im Hintergrund Stromleitungen
Die Düngung nach CULTAN-Verfahren reduziert Bodenstörungen, Arbeitseinsätze und Emissionen.

Mehr Humus für Klimaschutz und bessere Böden

Humusreiche Böden speichern mehr Wasser, sind widerstands­fähiger gegen Trocken­heit und Erosion und können zusätzlich CO₂ binden. Dadurch profitieren sowohl die Boden­fruchtbarkeit als auch der Klima­schutz.

Mehr als 5.000 Land­wirtinnen und Land­wirte in Österreich und Slowenien haben sich im Verein HUMUS+ zusammen­geschlossen, um Humus aufzu­bauen und ihre Böden zu ver­bessern. Über den HUMUS+-Zertifikate­handel wird dieser Beitrag von Unter­nehmen finanziell honoriert.

Bewässerung gezielt planen

Bewässerung ist dort wichtig, wo die natürlichen Nieder­schläge nicht ausreichen. Wasser zum richtigen Zeit­punkt entscheidet, ob eine Kultur abstirbt oder weiterwächst. Moderne Technik hilft dabei, Wasser möglichst effizient einzusetzen. Gleich­zeitig gewinnen der Aus­bau der Bewässerungs­infrastruktur und das Know-how der landwirtschaftlichen Betriebe an Bedeutung.

Das Kompetenzzentrum Bewässerung bietet praxisnahe Beratung rund um das Thema Bewässerung. Darüber hinaus beschäftigt sich die Landwirtschaftskammer Niederösterreich mit Fragen der überregionalen Wasserversorgung.

Klimafitte Landwirtschaft braucht viele Maßnahmen

Dauer­begrünung, Zwischen­früchte, pflug­lose Boden­bearbeitung, Humu­saufbau, Hecken, Agro­forst­systeme, vielfältige Frucht­folgen sowie ein effizienter Umgang mit Wasser stärken die Land­wirtschaft gegenüber Trocken­heit, Hitze und Erosion. Ergänzend tragen eine standortgerechte Kultur­wahl, gezielte Bewässerung sowie ein möglichst geringer Ein­satz von Dünge­mitteln und Pflanzen­schutz­mitteln dazu bei, die Wider­stands­fähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe zu erhöhen.

Die Landwirtschafts­kammer Nieder­österreich beteiligt sich an Forschungs- und Inno­vations­projekten und unterstützt landwirt­schaft­liche Betriebe mit praxis­naher Beratung.