Krems rechnet vor

Die Stadt Krems verbessert mit konkreten Zielwerten, Kostenvergleichen und messbaren Effekten das Stadtklima.

© Platz mit Staudenbeet, historischem Monument im Hintergrund, im Vordergrund Staudenbeet mit Baum und Sträuchern
Der Platz hat stark an Aufenthaltsqualität gewonnen seit des Umbaus.
  • Zusammenfassung: Krems an der Donau beschloss einen Entsiegelungsplan zur systematischen Reduktion versiegelter Flächen im öffentlichen Raum.
  • Ziele: Klimawandelanpassung (Wasserspeicherung, Entlastung Kanal, Hitzereduktion), Erhöhung der Aufenthaltsqualität und Biodiversität
  • Ort: Innenstadt, Krems an der Donau
  • Weitere Maßnahmen: Dachbegrünung, Versickerung vor Ort, wasserdurchlässige Beläge, Baumscheibenvergrößerung
  • Laufzeit: laufendes Programm, jährliche Zielerreichung (Monitoring)
  • Finanzierung/Kosten: vergleichbare Errichtungskosten zu Asphalt, langfristige Einsparungen bei Infrastruktur
  • Beteiligte: interne Abteilungen (Stadtplanung, Tiefbau, Wasserbau)

Die Stadt Krems reagiert auf zunehmende Starkregenereignisse und lokale Überflutungen mit einem klar strukturierten Entsiegelungsprogramm. Ziel ist es, Niederschlagswasser nicht mehr möglichst schnell abzuleiten, sondern es vor Ort zu speichern, versickern zu lassen und zur Kühlung des Stadtraums zu nutzen.

Zur Entlastung des Kanalnetzes kommen mehrere Maßnahmen in Frage, darunter Kanalver­größerungen, Regen­überläufe, Versickerung und Entsiegelung. Kanalver­größerungen sind jedoch oft kaum mehr umsetzbar, da der unterirdische Raum durch zahlreiche Ver- und Entsorgungs­leitungen bereits stark ausgelastet ist. Gleichzeitig stoßen auch bestehende Sammelkanäle zunehmend an ihre Kapazitäts­grenzen. Entsiegelung bringt wesentliche Vorteile und Möglich­keiten auch abseits von Wassermanagement.

Entsiegelung mit System: Politischer Beschluss als Grundlage

Der einstimmig beschlossene „Entsiegelungsplan Krems“ verfolgt eine einfache planerische Logik: Überall dort, wo es technisch möglich ist, werden befestigte Flächen durch versickerungs­fähige Systeme ersetzt. Das reicht von Rasen­gitter­steinen bei Stell­plätzen über offenporige Beläge für Geh- und Radwege bis hin zu großzügig dimensionierten Baumscheiben mit speicherfähigen Substraten.

Die Maß­nahmen werden in laufende Straßen- und Bauprojekte integriert. Wo Entsiegelung nicht möglich ist, wird Regenwasser zumindest zurückgehalten oder gezielt abgeleitet.

© Maßnahmen werden aufgezeigt die wirksam sind gegen lokale Überschwemmungen und Hitze.
Entsiegelung, das lokale Speichern von Wasser und Begrünungen sind wirksam gegen Hitze.

Messbare Wirkung und Kosten

Die Wirkung der Entsiegelung lässt sich in Krems konkret beziffern. Als Zielgröße wurde festgelegt, jährlich rund 1.250 m² zu entsiegeln, das entspricht etwa 100 Pkw-Stellplätzen. Damit entsteht ein kontinuierlicher und überprüfbarer Fortschritt.

Durch die Entsiegelung auf Höhe Austraße/Bertschingerstraße konnte der Regenwassereintrag in die Kanalisation um rund 11,5 % reduziert werden. Statt 80,7 Liter pro Sekunde fließen nun 71,6 l/s bei vergleichbaren Regenereignissen ab.

Durchgerechnet wurde auch ein Beispiel eines Wohnhauses mit 25 Wohneinheiten: mit rund 900 m² versiegelter Fläche verursacht Starkregen eine Einleitung von etwa 43,5 l/s. Durch Dachbegrünung könnte sich dieser Wert auf rund 28,2 l/s fast halbieren. Wird Regenwasser zusätzlich vor Ort versickert, sinkt die Belastung auf 6,2 l/s.

Klimatisch & wirtschaftliche Relevanz

Teile des bestehenden Kanalnetzes in Krems sind bereits überlastet. Eine technische Sanierung würde Kosten von rund 17,8 Millionen Euro verursachen. Entsiegelung stellt hier eine kosteneffiziente Alternative oder Ergänzung dar.

Auch bei den Baukosten zeigt sich ein klares Bild: Versickerungsfähige Stellplatzsysteme liegen mit rund 52,8 €/m² in einer ähnlichen Größenordnung wie klassische Asphaltflächen mit etwa 63,6 €/m². Gleichzeitig bringen sie einen hohen Mehrwert, da Wasser vor Ort versickern kann und zusätzliche Kühlung an heißen Tagen durch Verdunstung erfolgt.

© Verschiedene Befestigungen, die Regenwasser durchlassen
Versickerungsfähige Oberflächen sind eine wichtige Klimaanpassungsmaßnahme für den urbanen Raum.

Technische Lösungen und blau-grüne Infrastruktur

Die konkrete Ausführung orientiert sich am bestmöglichen Zusammenspiel von Belastbarkeit, Nutzung und Versickerungsleistung. Je nach Anforderung wählt die Stadt gezielt unterschiedliche Bauweisen: Während bei stärker beanspruchten Flächen robuste, wasserdurchlässige Systeme zum Einsatz kommen, werden in weniger frequentierten Bereichen bewusst wassergebundene Decken oder begrünte Lösungen eingesetzt.

Damit entwickelt Krems schrittweise eine blau-grüne Infrastruktur, die technische Anforderungen mit ökologischen Funktionen verbindet. So wird Regenwasser direkt vor Ort gespeichert, versickert und verdunstet – und trägt gleichzeitig zur Kühlung des Stadtraums bei.

Dreifaltigkeitsplatz erfolgreich entsiegelt

Mit der Neugestaltung des Dreifaltigkeitsplatzes setzt die Stadt Krems die Prinzipien der Entsiegelung umfassend um. Dabei wird ein großer Teil der zuvor versiegelten Fläche gezielt geöffnet und durch versickerungsfähige Oberflächen ersetzt.

Gleichzeitig gelingt es, trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen wie Denkmalschutz und bestehender Leitungen, die Fläche funktional und gestalterisch deutlich aufzuwerten. Damit zeigt das Projekt konkret, dass Entsiegelung auch im historischen Stadtraum umsetzbar ist und – was von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen wird – die Aufenthaltsqualität spürbar verbessert.

Der Ansatz in Krems zeigt, dass Entsiegelung vor allem dann funktioniert, wenn sie in laufende Straßen- und Bauprojekte integriert wird. Statt Einzelmaßnahmen umzusetzen, wird schrittweise bei ohnehin geplanten Eingriffen Fläche entsiegelt. Klare Zielwerte und die Verankerung im Gemeinderat schaffen dabei die notwendige Verbindlichkeit.

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