Mehrnutzenhecken: Schutz für Boden, Klima und Landwirtschaft
Jährlich gehen in Österreich rund 5,6 Tonnen fruchtbarer Boden pro Hektar Ackerfläche durch Wind- und Wassererosion verloren. Mehrnutzenhecken sind eine wirksame Maßnahme, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und landwirtschaftliche Flächen klimafit zu machen.
Mehrnutzenhecken bremsen den Wind und reduzieren dadurch Verdunstung sowie Wind- und Wassererosion. Gleichzeitig verbessern sie die Bodenstruktur und erhöhen dadurch die Wasserspeicherfähigkeit. Das reduziert Trockenstress und steigert die Ertragssicherheit. Ihre Schutzwirkung reicht dabei bis zum 25-Fachen der Heckenhöhe in die angrenzende Fläche hinein. Zusätzlich werden rund 20 bis 25 Tonnen CO₂ pro Hektar Hecke und Jahr in Boden und Biomasse gespeichert.
Artenvielfalt und natürliche Schädlingsregulierung
Durch ihren Aufbau aus Sträuchern, sowie (Wild-)Obst- und Landschaftsbäumen, begleitet von Krautzonen schaffen Mehrnutzenhecken wertvolle Lebensräume. Zahlreiche Nützlinge finden hier Nahrung, Schutz und Nistmöglichkeiten, während sie einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung und zur natürlichen Schädlingsregulierung leisten.
Mehrnutzenhecken zählen zu den wirksamsten Maßnahmen für eine klimafitte Landwirtschaft, weil sie viele positive Effekte gleichzeitig vereinen:
- Schutz vor Wind- und Wassererosion
- Verbesserung des Mikroklimas und dadurch stabilere Erträge
- Verbesserung von Bodenstruktur und Wasserspeicherung
- Förderung von Bestäubern und Nützlingen
- Lebensraum für Wildtiere
- Vernetzung von Biotopen
- Zusätzliche Erträge durch Wildobst, Beeren und Kräuter
- Bindung und Speicherung von rund 20 bis 25 Tonnen CO₂ pro Hektar und Jahr in Boden und Biomasse
Ihr volles Potenzial entfalten Hecken, wenn sie als Teil eines Biotopverbundes möglichst in Abständen von rund 300 Metern in die Landschaft integriert werden.
Rechtliche Hürden abgebaut, Förderung vorhanden
Mit der Änderung des Forstgesetzes im Jahr 2023 unterliegen Mehrnutzenhecken rechtlich nicht der Waldwerdung. Sie gelten weiterhin als landwirtschaftliche Fläche, wodurch Rodungsauflagen und fiskaler Wertverlust entfallen.
Zusätzlich fördern das Land NÖ und das ÖPUL die Anlage von Mehrnutzenhecken. Damit stehen Gemeinden und landwirtschaftlichen Betrieben attraktive Möglichkeiten bei der Umsetzung dieser wirksamen Maßnahme zur Verfügung.
Praxisbeispiele GRAND GARTEN & Bio-Hof Binder
Wie Mehrnutzenhecken in der Praxis wirken, zeigen die Marktgärtnerei GRAND GARTEN in Absdorf und der Bio-Hof Binder in Untermallebarn. Die Mehrnutzenhecken dort unterstützen hochproduktive, biodiversitätsfreundliche und klimafitte Landwirtschaftsbetriebe. Gemeinsam mit der NÖ Agrarbezirksbehörde und regionalen sowie internationalen Partnern werden hier außerdem die positiven Auswirkungen von Mehrnutzenhecken auf Landwirtschaft, Biodiversität und Klimaanpassung erforscht und sichtbar gemacht. Projekte wie die Mehrnutzenhecke in Absdorf zeigen vor, wie Gemeinde, Pfarre und Landwirtschaft an einem Strang ziehen können und ein Biotopverbund, von dem alle profitieren, entstehen kann.
Mehrnutzenhecken für Europa
Als naturbasierte Lösung verbinden Mehrnutzenhecken Bodenschutz, Klimaanpassung, Artenvielfalt und landwirtschaftlichen Nutzen – und leisten damit einen wichtigen Beitrag für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Deshalb sind Mehrnutzenhecken Teil der europäischen Mission „Adaptation to Climate Change“ und werden im Rahmen des Horizon-Europe-Projekts ARCADIA.
(TrAnsformative climate ResilienCe by nAture-baseD solutions in the contInentAl bio-geographical region) weiterentwickelt und weiterverbreitet.
Eine Mehrnutzenhecke ist weit mehr als eine Pflanzung. Sie steht für Zukunft, Zusammenarbeit und Verantwortung. Setzen auch Sie ein Zeichen für eine klimafitte Landwirtschaft und eine lebenswerte Landschaft!
