Klimafitte Pflanzensorten und Kulturarten

Rasch veränderte Produktionsbedingungen machen neben boden- und wasserschonenden Bewirtschaftungsformen auch die Wahl angepasster Kulturarten und Sorten erforderlich.

© Frau hockt am Maisfeld, in der Hand hat sie Klumpen Erde, der zerbröselt.
Die Auswirkung von Trockenheit und Dürre auf die Landwirtschaft sind gravierend.

Der Klimawandel verändert die Bedingungen im Pflanzenbau. Höhere Temperaturen, längere Trockenperioden und unregelmäßige Niederschläge stellen die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Eine standortangepasste Bewirtschaftung mit klimafitten Pflanzensorten, die richtige Kulturart, boden- und wasserschonenden Maßnahmen, Humusaufbau und, wo erforderlich, einer effizienten Bewässerung hilft, Erträge langfristig zu sichern.

Boden schützen und Wasser speichern

Ein gesunder Boden ist die wichtigste Grundlage für eine wider­standsfähige Land­wirtschaft. Humus­aufbau verbessert die Wasser­speicherung, während bodenschonende Bewirt­schaftung und Erosions­schutz verhindern, dass wert­voller Boden durch Wind oder Wasser verloren geht. Hecken leisten dabei einen wichtigen Beitrag: Sie bremsen den Wind, schützen vor Erosion und fördern gleich­zeitig Bestäuber sowie die Biodiversität. Mehrnutzenhecken fallen zudem nicht mehr unter das Forstgesetz.

Klimafitte Sorten sichern Erträge

Die Sortenwahl gewinnt durch den Klima­wandel zunehmend an Bedeutung. Getreide wird heute bereits rund zwei Wochen früher geerntet als Anfang der 1990er-Jahre. Hitze­toleranz zählt daher zu den wichtigsten Zucht­zielen, wobei die Entwick­lung neuer Sorten zehn bis fünf­zehn Jahre dauert. Sorten wie Aurelius, Christoph und Axaro liefern auch bei Hitze­stress stabile Erträge. Im Bio­ackerbau setzt sich zudem die höher wachsende Sorte Capo durch, deren Stroh zusätzlich als Bio­masse, natürlicher Dünger und Einstreu genutzt werden kann.

© Karte von Österreich, Trockengebiete gelb Feucht- und Übergangslagen grün, Hochalpen weiß eingezeichnet. Regionen mit Trockenstress verschiedene bunte Markierungen.
Die landwirtschaftlichen Gebiete im Osten haben zunehmend an Trockenstress.

Das Land Niederösterreich hat Klimainfoblätter für ganz Niederösterreich und alle Bezirke entwickelt. Diese verschaffen einen Überblick über die Veränderungen der Lufttemperatur, Vegetations­perioden und Niederschläge.

Hirse: Kulturpflanze mit Zukunft

Hirse gewinnt als klimafitte Kultur­pflanze zunehmend an Bedeutung. Das genüg­same Süß­gras kommt mit wenig Wasser aus und wächst auch auf kargen Böden zuverlässig. Zwölf Hirse­arten werden welt­weit angebaut, in Österreich vor allem Gold­hirse (Rispen­hirse), Braunhirse und Urhirse. Fällt im Frühjahr der Anbau anderer Kulturen aus, kann Hirse häufig noch im Juni ausgesät werden.

Die Ernährungs- und Land­wirtschafts­­organisation der Vereinten Nationen (FAO) erklärte 2023 zum Internationalen Jahr der Hirse. Neben ihrer Trocken­heits­toleranz überzeugt sie auch durch ihren hohen Gehalt an Eiweiß, Eisen und Kieselsäure sowie ihre Gluten­freiheit. In der Steier­mark war die Bluthirse bis in die 1940er-Jahre als „Himmeltau“ bekannt, weil sie selbst auf sehr mageren Standorten gute Erträge lieferte.

Dauergrünland erfüllt wichtige Klimafunktionen

Landwirtschaft produziert nicht nur Lebensmittel, sondern erbringt auch wertvolle Öko­system­leistungen. Dauer­grün­land trägt zum Biodiversitäts-, Boden-, Wasser- und Klima­schutz bei, speichert Kohlen­stoff, hält Wasser in der Land­schaft zurück und schützt vor Erosion. Forschung und Praxis beschäftigen sich deshalb intensiv mit klima­angepassten Gräser­mischungen sowie optimalen Nutzungs- und Mähzeitpunkten.

Ackerbau in höheren Lagen neu entdecken

Mit steigenden Temperaturen gewinnen höher gelegene Anbau­flächen wieder an Bedeutung. In der Region Ötscher-Tormäuer bauen Landwirtinnen und Landwirte seit 2022 alte Getreide­sorten und Acker­früchte auf bis zu 1.000 Metern Seehöhe an. Was bis in die 1950er-Jahre im alpinen Mostviertel selbstverständlich war, könnte künftig wieder eine Chance für standort­angepassten Pflanzenbau und stabile Erträge sein.

Alte Sorten für neue Klimabedingungen

Mit dem Rückgang des Bergackerbaus ging viel Wissen verloren. Gleichzeitig schlummern in historischen Saatgutsorten wertvolle Eigenschaften für die Klimaanpassung. Gemeinsam mit dem Verein Arche Noah arbeitet der Naturpark Ötscher-Tormäuer daran, alte Kulturpflanzen wieder zu etablieren. Derzeit werden unter anderem sechs Bohnen­sorten, Rüben, Erdäpfel und Flachs angebaut. Im Projekt „Hochlagenobst“ werden zudem alte Obstsorten rund um den Ötscher gesucht, über das Erhaltungsprogramm „Obst Inventur Österreich“ bewahrt sowie die lokale Bevölkerung über ihre besonderen Bäume und Früchte informiert.

Beratung für klimafitte Kulturen

Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich legt neue Beratungsschwerpunkte und Kulturanleitungen auf klimafitte Kulturarten und Sorten. Wintergerste, Sojabohne, Sorghum und Hirse bieten sich in manchen Regionen als gute Alternative an.