Biotop Watzelsdorfer See

Eine Flussrenaturierung dient als Puffer für Hochwässer und ist als artenreiches Biotop ein beliebtes Naherholungsgebiet in der Region. 

© Flusslauf, Bäume, Weidefläche
Ein neues Biotop entlang der Pulkau ist entstanden, in dem sich auch Biber, Reiher und Eisvogel wohl fühlen.
  • Zusammenfassung: zwischen der Gemeinde Zellerndorf und der Katastralgemeinde Watzelsdorf wurde die Pulkau renaturiert unter den Aspekten Wasserrückhalt, mehr Biodiversitäts- und Naturschutzflächen sowie neues Naherholungsgebiet
  • Ziel: Revitalisierung eines regulierten Gewässers, Herstellung der Durchgängigkeit der Pulkau, Schaffung von Feuchtlebensräumen im Gebiet KG Zellerndorf und Watzelsdorf
  • Projektlaufzeit: 03/2011 bis 12/2012
  • Gesamtkosten: 1,2 Mio. Euro (inkl. Grundeinlösung, Sicherung Gasleitung, Abdichtung zu Siedlungsgebiet usw.)
  • Förderung: Umweltförderung – Gewässerökologie (Kostenverteilung: Bund 60%, Land NÖ 30%, Pulkau Wasserverband 10%)
  • Kooperationspartner: Pulkau Wasserverband, Marktgemeinde Zellerndorf und Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Wasserbau
  • Weitere Beteiligte: Planung: Land und Wasser, Ingenieurbüro der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal, Erdbau: Fa. Burgstaller, Bauarbeiten: Eigenregie Abt. Wasserbau

Zwischen Zellerndorf und Watzelsdorf im Weinviertel ist durch die Renaturierung der Pulkau ein 11 ha großes Biotop entstanden. In diesem Gebiet hat der Fluss auf einer Länge von 1,2 km die Möglichkeit seinen Gewässerlauf zu verändern, mehrere Teiche sind entstanden. Insgesamt wurden der Pulkau nördlich und südlich des bestehenden Gewässerraumes Flächen im Ausmaß von etwa 8 ha zugeschlagen.

Natürliche Flusslandschaft entsteht

Die Renaturierung der Pulkau beginnt westlich der B30-Brücke, wo der Fluss in ein neues Bett nach Norden umgeleitet wird. Diese Änderung beseitigt ein altes Wehr, das den Flusslebensraum blockierte. Der neue Flusslauf ermöglicht, dass das Wasser bei niedrigem und mittlerem Wasserstand durch das neue Bett fließt, während bei Hochwasser der alte Flusslauf genutzt wird.

Unterhalb des alten Wehrs wurde ein Sedimentationsbecken angelegt, das ständig durch Zufluss aus der Pulkau mit Wasser gefüllt ist. Unterhalb der Straßenquerung verlaufen das alte und das neue Flussbett parallel. Das alte Flussbett wurde verbreitert und mit flacheren Böschungen sowie einem mäandrierenden Verlauf versehen, was die Lebensräume für Flora und Fauna verbessert.

© Wasserflächen, Schilf und Weiden
Die Flächen wurden mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt. Nach und nach sind weitere Pflanzen hier eingezogen.

Neuer Lebensraum für Tiere und Pflanzen

Im umgestalteten Abschnitt wird die Pulkau von einem durchgehenden Gehölzsaum begleitet. Lücken in diesem Saum ermöglichen dynamische Prozesse, die mittlerweile vor allem der Biber beeinflusst. Eine spezielle Rinne sorgt für ausreichende Wassertiefen auch bei niedrigem Wasserstand und passt sich im Laufe der Zeit an.

Die Becken entlang des neuen Flussbetts füllen sich bei mittlerem Wasserstand, wodurch wechselfeuchte Biotope entstehen. Diese bieten Lebensraum für viele Amphibien und Reptilien. Auch Reiher und Eisvogel haben sich inzwischen in diesem naturnahen Gebiet angesiedelt.

Neues Biotop und Hochwasserschutz

Ein Begleitgraben fängt Niederschlagswasser auf und leitet es in Sedimentfangbecken, um zu verhindern, dass Erdmaterial durch Erosion in die Pulkau gelangt. Diese Maßnahme schützt nicht nur vor Hochwasser, sondern fördert auch die ökologische Vielfalt und schafft neue Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Zusätzlich beweiden Schafe des Biohof Schäffers das Projektgebiet, was die Artenvielfalt der Wiesen erhöht. Aufgrund der Beweidung ist die Fläche eingezäunt, aber Fußgängerinnen und Fußgänger können entlang eines 3,5 km langen Spazierwegs die Tiere beobachten.

Von Herausforderung zur ökologischen Erfolgsgeschichte

Die Renaturierung der Pulkau stellte eine große Herausforderung dar und bedurfte viel Überzeugungs­arbeit. Die 10-12 Hektar land­wirt­schaft­liche Fläche waren als Kleinstflächen auf 100 Grund­eigen­tümerinnen und Grundeigentümer verteilt. Diese Flächen, die früher zur Futterproduktion genutzt wurden, lagen schon lange brach und waren schwer zu bewirtschaften.

Einige Gegner des Projekts kritisierten den Verlust landwirtschaftlicher Flächen und die entstehenden Kosten. Im Jahr 1963 wurde die Pulkau begradigt, und nun, 50 Jahre später, wurde dieser Eingriff rück­gängig gemacht, was zu Diskussionen über den Sinn des Projekts führte. Heute wissen wir, dass das Gebiet zumindest extensiv beweidet werden kann und einen sehr hohen ökologischen Wert erzielt.

Gerne besucht: das Renaturierungsprojekt „Watzelsdorfer See“

Die Renaturierung von Fließgewässern wie der Pulkau zeigt, dass die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch für die Landwirtschaft von großer Bedeutung ist. Ein weiteres Projekt entlang der Pulkau ist bereits in Planung, um diese positiven Effekte weiter auszubauen.

Der „Watzelsdorfer See“, wie das Biotop und Renaturierungsprojekt gerne genannt wird, ist ein beliebtes Exkursionsziel für Studierende der Universität für Bodenkultur und der Technischen Universität. Hier können sie hautnah erfahren, wie Renaturierungsmaßnahmen die Umwelt verbessern und gleichzeitig die landwirtschaftliche Nutzung unterstützen. Besuchen Sie den „Watzelsdorfer See“ und entdecken Sie die vielfältigen Vorteile der Renaturierung von Flüssen.

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